Von Aschenputtel zur Dubai-Schokolade: Historische Straßenbahn begeistert Regensburg

 


Regensburg. Große Fortschritte, breite Unterstützung und außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement prägten die jüngste
Jahreshauptversammlung der IG Historische Straßenbahn Regensburg. Die Vorsitzenden Günther Dürrmeier und Marie Spreitzer
zogen dabei eine durchweg positive Bilanz und gaben zugleich einen detaillierten Ausblick auf die nächsten Schritte des
Bürgerprojekts.

„Der große Zuspruch zeigt uns, dass wir mit unserem Bürgerprojekt das Herz der Regensburgerinnen und Regensburger treffen“,
betonte Günther Dürrmeier. Besonders hob er den Einsatz der Vereinsjugend hervor, die bei Veranstaltungen unterstützt,
eigene Projekte wie ein Oldtimer-Bustreffen organisiert und mit professioneller Social-Media-Arbeit neue Zielgruppen erreicht.

Ein zentraler Meilenstein des Projekts ist die nun vollständig hergestellte historische Gleisstrecke an der Guerickestraße.
Trotz erheblicher kurzfristiger Herausforderungen – unter anderem durch brandschutzrechtliche Anforderungen an eine
Feuerwehrzufahrt sowie eine zwischenzeitlich entfernte Gleispassage – konnte die Strecke mit großem ehrenamtlichem Einsatz
und externer Unterstützung wieder geschlossen werden. Heute steht damit eine durchgängige, betriebsbereite Gleisstrecke
zur Verfügung. „Das Gleis ist fertig und wartet nur noch auf die Straßenbahn“, so Dürrmeier.

Ein weiterer zentraler Baustein für den Betrieb der historischen Straßenbahn ist der geplante Unterstand direkt an der
Gleisstrecke. Hierzu initiierte der Verein in Zusammenarbeit mit der OTH Regensburg einen studentischen Architekturwettbewerb.
Unter der fachlichen Leitung von Architekt und OTH-Dozent Florian Plajer sowie Professorin Anne Beer von der Fakultät
Architektur entwickelten insgesamt 15 Studierendenteams Entwürfe mit dem Ziel maximaler Funktionalität, einfacher
Realisierbarkeit und möglichst geringer Baukosten.

Die drei besten Konzepte wurden prämiert und anschließend dem Stadtwerksdirektor Herrn Koller vorgelegt. Dieser griff das
Thema unmittelbar auf und erklärte die Planung des Unterstands zur Chefsache. Seit Herbst arbeitet Herr Koller gemeinsam
mit dem Stadtwerk intensiv an einer konkreten, umsetzungsnahen Planung, um der historischen Straßenbahn künftig einen
dauerhaften, witterungsgeschützten Standort direkt am Gleis zu ermöglichen. Bei optimalem Verlauf könnten die Planungen
bereits im Frühjahr 2027 abgeschlossen sein, sodass im Anschluss der Bau realisiert werden kann. Der Verein sieht das
Engagement des Stadtwerksdirektors als entscheidenden Schritt für die langfristige Betriebssicherheit des Fahrzeugs.

Der historische Triebwagen selbst befindet sich nach seiner Restaurierung derzeit geschützt im Betriebshof der
Straßenbahn Plauen, wo er seit mehreren Jahren kostenfrei und mit großer fachlicher Sorgfalt betreut wird. Ergänzend
arbeitet die OTH Regensburg an einem batterieelektrischen Antriebskonzept für den Wagen. Dieses wurde bereits erfolgreich
bei öffentlichen Vorführungen erprobt und wird aktuell im Rahmen zahlreicher Projekt-, Bachelor- und Masterarbeiten weiter
entwickelt.

Auch im Bereich der historischen Busse konnte der Verein bedeutende Akzente setzen. Vorsitzende Marie Spreitzer berichtete
von mehreren Sonderfahrten, unter anderem bei Feuerwehrveranstaltungen sowie für Senioreneinrichtungen. Ein besonderer
Höhepunkt war das zweite Oldtimer-Bustreffen in Regensburg mit über 36 Fahrzeugen aus mehreren Jahrzehnten. Aufgrund des
großen Erfolgs ist das dritte Oldtimer-Bustreffen bereits terminiert und findet am 27. September 2026 am Dultplatz statt.

Die Entwicklung des Vereins wäre ohne eine außergewöhnlich breite Unterstützerbasis nicht möglich. Der Verein wird von
zahlreichen Partnern aus Ehrenamt, Wirtschaft und öffentlichen Institutionen begleitet. „Vor fünf Jahren waren wir das
Aschenputtel. Heute ist die alte Straßenbahn die neue Regensburger Dubai-Schokolade“, sagte Dürrmeier unter großem Applaus
und brachte damit den gewachsenen Stellenwert des Projekts auf den Punkt.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung wurde zudem Klaus Theml nach zehn Jahren engagierter Vorstandsarbeit verabschiedet.
Er legte sein Amt nieder, um bewusst Platz für die nächste Generation zu machen. Als Zeichen des Dankes und der Anerkennung
für sein langjähriges Engagement ernannte ihn der Verein einstimmig zum Ehrenvorsitzenden.

Mit Jonas Fritsch wurde außerdem ein neuer 5. Vorsitzender gewählt, der künftig insbesondere den Bereich Kommunikation und
digitale Präsenz verantwortet. „Nächster Halt: digitale Sichtbarkeit! Unsere historischen Busse und Straßenbahnen haben schon
immer Menschen verbunden. Als 5. Vorstand möchte ich genau das nun auch auf den digitalen Schienen fortsetzen und unsere
Vereinsarbeit auf Social Media erlebbar machen“, erklärte Fritsch.

Ziel des Vereins bleibt es, die historische Straßenbahn und die Oldtimerbusse als fahrfähige Zeugnisse der Regensburger
Stadtgeschichte dauerhaft zu erhalten und für die Bevölkerung erlebbar zu machen – als lebendigen Teil der Stadtkultur.

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